Anmerkung

Wir möchten Ihnen einige Beispiele zur Arbeitsweise mit JustoCat geben. Diese Tipps sollen die Hinweise aus dem Handbuch der JustoCat nicht ersetzen, sondern basieren auf Erfahrungen aus der Tätigkeit mit sozialen Robotern. Am Ende der Tipps finden Sie dann noch einige reale Fallbeispiele aus der Praxis.

Grundsätzliches

Tiere und Essen gehören nicht gleichzeitig auf den Tisch. Beim Essen hat ein Tier dort nichts zu suchen, das dürften Ihnen einige Bewohner auch sehr deutlich zu verstehen geben, wenn Sie es vergessen. Im Falle der JustoCat sollten Sie diesen Grundsatz ebenfalls berücksichtigen.

JustoCat wurde speziell für die Arbeit mit Menschen mit fortgeschrittener Demenz konzeptioniert. Das bedeutet nicht, dass Sie nicht auch bei Menschen ohne, mit frühen oder mittleren Stadien der Demenz versuchen können, JustoCat als Erinnerungsbrücker einzusetzen. Tendenziell dürfte die Atraktivität in dieser Gruppe aber gering oder von kurzer Dauer sein.

Einsatzart

Die Katze sollte vornehmlich am Körper eingesetzt werden z.B. auf dem Schoß oder im Arm. Die interaktive Katze bindet primär an die Erinnerungen an eigene Katzen an. Um diese zu heben, ist es sinnvoll, das Schnurren und Atmen im Körperkontakt zu erfahren. Probieren Sie aber auch den Einsatz auf dem Tisch, insbesondere dann, wenn jemand temporär unverrückbar dicht am Tisch positioniert ist. Beginnen Sie Ihr Gespräch mit dem Thema eigene Katzen oder Haustiere, erzählen Sie von eigenen Tieren.

Zielsetzung des Erstbesuches: Ermittlung der Zielgruppe für eine robotergestützte Aktivierung

Gut geeignet hierfür ist die Vorstellung des Roboters als kurzer Spontanbesuch der Bewohner an dem Ort, an dem sie sich zu dieser Zeit aufhalten. Vermeiden Sie in dieser Phase ein vorheriges Umsetzen oder Verbringen in einen besonderen Raum. Starten Sie mit kurzen Einsatzzeiten von wenigen Minuten pro Bewohner und nicht gleich jeden Tag und steigern Sie die Frequenz und Dauer im Laufe der kommenden Wochen. Mancher Bewohner mag sich schnell gewöhnen und möglichst für lange Zeit mit der Katze mit der Katze zusammensein, manchen reicht es wenige Male in der Woche für 15-30 Minuten.

Anmerkung: Während die Robbe perfekt ist, um auch kleine Gruppen gemeinsam anzusprechen (Aktivierung durch Kindchenschema) und zu aktivieren, ist die Katze eher für die Einzelarbeit bei fortgeschrittener Demenz geeignet, da hier der Körperkontakt und die Erinnerung im Vordergrund steht.

Trotzdem kann auch die Katze dazu führen, dass die Bewohner untereinander interagieren und in Kontakt kommen. Ein sehr gewünschter und positiver Effekt.

Gehen Sie bei Annäherung an einen Bewohner grundsätzlich in die Hocke oder Knie, wenn möglich, setzen Sie sich dazu. Treffen Sie eine Gruppe zum ersten Mal mit dem Roboter, lassen Sie Ihren Blick in die Gesichter schweifen. Gehen Sie zuerst zu einer Person, bei der Sie den Eindruck haben, Sie lösen Neugierde oder ein Lächeln aus.

Zögerliches Verhalten

Erleben Sie eine Zurückhaltung, obwohl biografisch alles darauf hindeutet, dass die Person Tiere liebte, könnte folgender Hintergrund bestehen. Es kommt vor, dass mancher ablehnend auf Ihre Versuche mit dem Robotertier reagiert. Das mag daran liegen, dass gedacht wird, man müsse sich um die JustoCat sorgen (Gassi gehen, Füttern, etc.).

Signalsätze:

- „Ich kann doch selbst nicht mehr richtig laufen“

- "Ich habe keinen Platz.“

- "Ich habe keine Zeit.“

Sollten Sie diese Sätze vernehmen, können Sie vermuten, dass die Zurückhaltung aus Angst begründet ist, Verantwortung übernehmen zu müssen. Entlasten Sie vorsorglich von diesem Gefühl, indem Sie betonen, dass Sie die Arbeit haben, die Bewohner jedoch das Vergnügen zu streicheln.

Vermittlung von Sicherheit

Beispiel: Sie haben einen ängstlichen Bewohner, der sich sehr unwohl fühlt, wenn er z.B. in den Aufenthaltsraum in eine Gruppe gebracht wird. Ihr Ziel ist, das Wohlbefinden durch eine Stärkung des Gefühls für Sicherheit und Vertrautheit zu verbessern.

Hierzu platzieren Sie die JustoCat gut für den Bewohner sichtbar im Raum, z.B. auf einem benachbarten Tisch oder Sessel. Die JustoCat muss nicht zwingend angeschaltet sein, probieren Sie jedoch, ob es Präferenzen gibt (an oder aus). Beim gemeinsamen Eintreten in den Raum – Sie sollten vor weiteren Bewohnern als erste kommen – sollten Sie darauf hinweisen, dass die JustoCat auch schon da ist, dessen Namen mehrfach erwähnen und in die Richtung deuten, wo das Tierchen liegt oder sitzt. Falls nötig stellen Sie Kontakt her durch eine kurze Berührung. Erwähnen Sie, wie ruhig und entspannt der da liegt oder sitzt und lösen Sie Ihrerseits den eventuell bestehenden Körperkontakt behutsam.

Als Variante können Sie die JustoCat auch direkt zur Interaktion dem Bewohner reichen, sollte die bloße Anwesenheit nicht ausreichen, ggfs. mit ausgeschalteten Rufen (Miau).

Schlafengehen

Einige Einrichtungen setzen die Roboterrobbe erfolgreich beim Schlafengehen ein. Hier kann sie ein für beide Seiten stressfreieres Procedere erreichen. Gleiches können Sie mit der JustoCat versuchen, durch die robustere Ausführung und bei Akzeptanz eine Katze im Bett zu haben gelingt es hiermit ggfs. sogar einfacher.

- JustoCat beim Zubettgehen mit ins Bett legen (nur bei OK des Bewohners), Miauen ausschalten. JustoCat darf an bleiben, so kann sie schnurren

- ggfs. Arm des Bewohners um/auf das Tier legen

- ggfs. Lied summen

- im Vorfeld schon Lautstärke der Tiere reduzieren (insbesondere in Pflegeoasen, Doppelzimmern)

Nehmen Sie das Tier nach wenigen Minuten wieder aus dem Bett, sobald die Person eingeschlafen ist. Das Vorgehen ist auch gut dafür geeignet zur Mittagszeit die Personen zu kontaktieren, die sehr unruhig sind. Diese passen dann auf die JustoCat auf oder kümmern sich darum.

Die seitliche Lagerung ist grundsätzlich sehr geeignet, sofern keine anderen Gründe dagegen sprechen. Der Bewohner hat freien Blick zum Tier und eine Hand frei zum Umarmen oder streicheln. Nach wenigen Minuten können Sie Ihr Tier i.d.R. wieder abholen und beim nächsten einsetzen.

Ergänzend können Sie die JustoCat auch beim Wachwerden in der Nacht einsetzen:

- gemeinsam mit der JustoCat ins Bett führen, dann wie beim Zubettbringen vorgehen

- leiser gestellte Rufe

- „Einfangen“ des Bewohners mit der JustoCat, leise Sprechen

 

Reale Beispiele aus der Arbeit mit JustoCat:

 

Fall 1: Angst, vaskuläre Demenz

Jenny, 79 Jahre, Schlaganfall

  • Angst, Mangel an Aktivität und Stimulation
  • Stress, Ruferin, störendes Verhalten

JustoCat beruhigt sie, sorgt für Aktivierung und Stimulation.

Vorteile:

  • - Ruhiger
  • - Heranführen an Aktivitäten planbar
  • - gesteigerte Interaktion und Kommunikation
  • - Angehörige sind entspannter und können interagieren
  • - Pflegekräfte haben ein ruhigers und weniger stressreiches Arbeitsumfeld

 

Fall 2: Inaktivität und sensorische Stimulation

Julius, 86 Jahre, fortgeschrittene Demenz, immobil (Rollstuhl)

  • - Sorgt sich um seine Frau, möchte nach Hause, Mangel an Aktivität
  • - Vergesslichkeit, Frustration

JustoCat lenkt von den Sorgen über seine Frau ab, zusätzliche Aktivierung

Vorteile:

  • - Aktivität, die von den Sogen ablenkt
  • - Entlastung der Angehörige
  • - Hilfsmittel zur Aktivierung und Interaktion für die Pflegekräfte

 

Fall 3: Kommunikation und Lauftendenz

Jens, 78 Jahre, Alzheimer, Verschlechterung des Zustandes

  • - Wortfindungsstörungen, möchte nach Haus, kognitive Leistung verschlechtert sich zusehens, wiederholende Handlungen
  • - läuft in Fluren umher, Kachexie (Auszehrung), von Zeit zu Zeit besorgt und verwirrt

JustoCat gibt ihm die Gelegenheit, sich um jemanden zu kümmern und gibt Jens Momente, in denen er sich ausruhen kann.

Vorteile:

  • - Momente zum Ausruhen, weniger Auszehrung
  • - Schafft etwas Frieden und gibt Angehörigen die Chance zur Kommunikation
  • - Situation für Pflegekräfte entspannt sich etwas und bietet ein Tool für die Interaktion

 

Fall 4: Herausforderndes Verhalten

Johanna, 78 Jahre, Alzheimer und vaskuläre Demenz

  • - Verwirrung und Angst
  • - körperliche Agression, riskante Situationen

JustoCat wird zur Ableitung in Problemsituationen eingesetzt.

Vorteile:

  • - Ablenkung von der Unruhe
  • - Ermöglicht mehr Ruhe für Angehörige
  • - Pflegekräfte erhalten eine Option zur Schaffung von zusätzlichen positiven Situationen
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